Der empfindsame und nachdenkliche Zeitgenosse fürchtet sich zuweilen, dem Peter-Prinzip neue Geltung zu verschaffen. An guten Tagen gibt es keine Zweifel, dass der Rubikon noch meilenweit entfernt liegt. An anderen Tagen fragt er sich, ob er diesen nicht schon längst überschritten hat, oder dieses Flimmern, direkt vor ihm, nicht vielleicht ein kleines Flüsslein ist, dass schwerlich trockenen Fußes überschritten werden kann.

Da wünschte sich unser Zeitgenosse doch gerne zu erfahren, was andere an solchen Tage sehen. Was er jedoch zu sehen bekommt sind Leute, die solche Tage nicht zu kennen scheinen. Nach Einschätzung mancher Beobachter wären dagegen schon einige Tagesreisen notwendig, um – wieder – aufs Wasser schauen zu können.

Da ich schon Urlaub hatte, war kurz vor Weihnachten eine gute Gelegenheit, unserem Bundespräsidenten live zu lauschen. Meine erste Reaktion nach dem Abgang: wenn das alles ist, wirst Du nicht lange froh sein dürfen. Sie werden Dich langsam weichkochen. Das war dann doch zu wenig und weitestgehend gedrechseltes Geschwurbel. Und es hat ja nicht einen Tag gegeben, an dem das Thema aus den Medien verschwunden ist. Na gut, an den Weihnachtstagen. Aber da wurde, wie wir jetzt wissen, schon an der nächsten Meldung gewerkelt. Und die haut einen doch eher um. Da spricht der Bundespräsident PERSÖNLICH dem Bild-Chefredakteur “aufs Band”. Und nicht etwa, bitte rufen Sie mich dringend zurück, egal wann, bin für Sie Tag und Nacht erreichbar. Sondern plärrt ein paar lächerliche Sätze in die Muschel: Rubikon, Krieg. Und dann ruft er noch – wahrscheinlich weil er Diekmann nicht erwischt hat – den Vorstand an. Der war sicher, wie man ihn einschätzen dürfte, eher irritiert. Wenn er etwas Sinn für Humor hat, hat er sich danach in die Ecke geschmissen und schallend gelacht. Wenn es nicht so traurig wäre.

Am Wochenende war von Pascale Hugues zu lesen, dass man, verglichen mit dem, was sich französische Politiker, insbesondere Präsidenten, im Amt erlauben, es sich im Falle unseres Herrn Wulffs doch wahrlich um Kleinigkeiten handelt. Und selbst der Anruf bei Bild ist bei diesen Maßstäben nun wirklich keine große Sache. Unsere Präsidenten sind aber nicht die direkten Nachfahren Ludwig XIV. Wirklich Pech. Ich denke, die Darlehensaffäre hätte er noch aussitzen können, der persönliche Anruf bei der Zeitung wird aber zu seinem Rubikon.

Kommen wir doch noch einmal zurück zum 22. Dezember und einem Kern der Wulffschen Einlassung. Nach der Entlassung des persönlichen Referenten war klar, dass es an diesem Tag keinen Rücktritt geben wird. Also gab es ein paar Entschuldigungen. Für die Profis. Viel bedeutsamer Weiterlesen »

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