Im Sommersemester des Jahres 2017 erreicht Joachim Sauer, wie man ihn, folgt man der gängigen Einschätzung, dass der Mann keine Gewese um seine Person macht, nennen kann, oder Prof. Dr. rer. nat. Dr. h.c. Joachim Sauer, wie die Webseite der Humboldt-Universität zu Berlin ihn verzeichnet, endgültig den Zeitpunkt, über den das Hinausschieben des Eintritts in den Ruhestand nicht weiter möglich ist. Die Amtsperiode seiner Ehefrau, Dr. rer. nat. Dr. h.c. mult. Angela Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, endet im Herbst des gleichen Jahres.

Menschen, die unter geringerer Aufsicht stehen, nähmen diese Konstellation zum Anlass, über die Gestaltung der Zeit 2018ff nachzudenken, die Gestaltung einer gemeinsamen Zeit. Vielleicht darüber nachzudenken, ob noch einmal etwas völlig Neues möglich wäre. Die sorgsam austarierte Ordnung in diesem Land macht es jedoch unmöglich, dieses Neue hier zu realisieren. Was läge also näher, sich für den einen um eine (freiere) Fortsetzung der Forschungs- und Lehrtätigkeit zu kümmern, für den Weiterlesen »

Bei der Argumentation nutzen Sie das Muster, ein spezifisches Argument als absolutes zu
behandeln. Die Zurückweisung der Einschätzung, der Bürger verstehe die komplexe Realität nicht,
beantworten Sie mit der Unterstellung, politische Führung bedürfe wohl „keiner besonderen
Qualifikation“. Aus dem behaupteten Vorrang des Einzelnen wird bei Ihnen „Staatsräson als etwas
Unwesentliche[m]“. Auch wenn dieses Argumentationsmuster gängig ist, bleibt es unredlich und
bedarf keiner weiteren Kommentierung.

Hingegen will ich mich dem Verhältnis von Staat und Bürger zuwenden, auch weil es über die
Person Helmut Schmidt hinaus von Relevanz bleibt. Ich bestreite keineswegs, dass das damalige
Eingehen auf die Forderungen möglicherweise weitere Taten provoziert hätte. Doch ebenso ließe
sich behaupten, dass die Erpressung nur scheiterte, weil das „Pfand“ nicht groß genug war, die
Ablehnung des Austausches eine Eskalation zur Folge haben können. Dass es dazu nicht kam, war
zum Zeitpunkt der Entscheidung offen. Weiterlesen »

Das Bild der Notleidenden soll weniger der „Idealisierung“ als der Unterscheidung dienen. Dieses
Mittel nutzen Sie auch m. E. mit der Zeichnung „unserer Eliten“. Unzweifelhaft sind weder die einen
gut, weil sie notleidend sind, die anderen schlecht, weil sie „in den Chefetagen“ sitzen.
Diesen beiden gilt jedoch nicht mein Interesse, sondern der seit Jahren gehätschelten Mitte. Dabei
hat sie es geschafft, sich in jeder Beziehung als Opfer eines jeden zu inszenieren; bei der
Beschreibung der Täter unbedingt unter Verwendung von „korrupt“ und „unfähig“. Wie es
tatsächlich um diese Mitte bestellt ist, zeigt schaudernd-beeindruckend das Dossier der Zeit N° 6
„Die Kassierer“. Dabei sind Auswüchse nicht in der schwäbischen Provinz zu finden, sondern im
sozialdemokratischen, (einst) mit Gewerbesteuern überhäuften Wolfsburg. Es ist die bekannte
Geschichte vom Fischer und seiner Frau, niemand ruft „jetzt reicht‘s“, sondern nur „Buttje, Buttje
inne See“.

Es sind diese „Hartleibigen“, aus denen gegenwärtig zu oft der Geist der Ablehnung, der
Verhöhnung und Verachtung kriecht und befördert wird. Während die Politik sich dieser Mitte
anzudienen versucht, sie mal „Besorgte“, mal „Anständige“, mal „Vernünftige“ nennt, lässt man nie
einen Zweifel daran, dass dort „das (Wahl-)Volk“ zu Hause ist.

Den Wohlhabenden“ (den Reichen?) etwas abzunehmen (die danach immer noch genug haben,
um nicht auf Öffentliches angewiesen zu sein), um es an die Notleidenden zu verteilen, dafür reicht
es, schon angesichts der Zahl der jeweils Betroffenen, zu nicht mehr als einem erneuten Almosen.
Wenn, müssen die „Besitzenden“ etwas abgeben, nämlich die „mit ihren Abgaben für den Erhalt
des Sozialstaats“ sorgen. Nur eines nicht: Geld. Sondern Teilhabe an der (Arbeits-)Gesellschaft.
Das „Verschwinden“ von Arbeitsplätzen belegt wohl weniger die Kompetenz ehemaliger Inhaber
oder der Neuankömmlinge, sondern den Anspruch der „Mitte“, das „knapp gewordene Gut“ mit
immer weniger teilen zu wollen.


Erstmals erschienen 09.11.2015 13:17 Uhr im Leserforum (User wp10) – Antwort auf username
Der Tagesspiegel ® 09.11.2015 Die unheimliche Not der anderen
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Dabei sind es, so mein Eindruck, nicht einmal die, für die sie hier das Wort ergreifen, die am lautesten, am vehementesten gegen die Neuankömmlinge wettern. Schließlich weiß man dort noch am ehesten, dass Platz in der kleinsten Hütte, dass einer mehr auch noch satt zu kriegen ist.

Hartleibig zeigen sich vornehmlich diejenigen, die in ihrem Neid, ein anderer könnte unverdient mehr als ein Kanten altes Brot („undankbar“) begehren. So wird aus diesen auch der „Wirtschaftsflüchtling“ (= zu Hause hat er ein Vermögen, hier will er schmarotzen), gegen den sowohl die bisherigen „wirklich Bedürftigen“ und diejenigen, die „ein Recht auf Schutz haben“ aufbegehren sollen. Damit an dieser Konstellation sich möglichst wenig ändert, schafft man Lager, die erst die Probleme schaffen, die in der Folge Anlass bieten zu sagen, man habe ja schon immer darauf hingewiesen. Und man hält möglichst viele (nicht bloß Fremde) davon fern, ihren Teil beitragen zu lassen, um mit Almosen deutlich zu machen, dass sie nicht dazugehören (sollen). Dass es sich um Gnadenakte handelt, die jederzeit geändert, widerrufen werden können. Hier hilft keine Empathie, sondern nur die Anstrengung, ihnen die Fahne aus der Hand zu winden, d. h. sie sowohl von der Macht fernzuhalten wie ihren Anspruch auf das Monopol zu begrenzen, für das „wahre Deutschland“ zu sprechen.

(Empathie als Umgangsform mit den Flüchtlingen III)


Erstmals erschienen 08.11.2015 18:05 Uhr im Leserforum (User wp10) Antwort auf username
Der Tagesspiegel ® 09.11.2015 Die unheimliche Not der anderen
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Die Verlinkungen im letzten Absatz sind in diesem Text nicht enthalten, nur markiert.

 

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