Männerbund

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Bei der gegenwärtigen Krise muss man die Ursachen dessen, was als „Flüchtlingskrise“ gilt, von dem trennen, in welcher Weise versucht wird, damit umzugehen. Bei der Flüchtlingskrise sind „äußere“ Einflüsse maßgeblich, auch wenn so mancher insbesondere Merkels „Einladung“ als „Freibier für alle“ deuten will. Und sollte das richtig sein, machen sich logischerweise „alle“ auf den Weg, um sich am köstlichen Nass zu laben. Sollten zwischen Heimat und Kneipe auch Berge, Täler und Meere liegen, für ein gutes, frischgezapftes Pils nimmt man gerne einen weiten Weg in Kauf. Denn es gibt „kein Bier“ in Syrien. Diese Haltung eint auf merkwürdige Weise „rechts“ wie „links“.

Das betrifft auch die Art und Weise, wie Politik und Gesellschaft damit umgehen sollen. Deckel darauf und fertig, was nicht passt wird passen gemacht. Hauptsache, man wird in seiner Ruhe jeder in seiner Nische nicht gestört. Der Grundstrom dieser Entwicklung reicht jedoch ein gutes Stück in die Vergangenheit, als Flüchtlinge in Deutschland nur aus der „Ostzone“ kamen. Die bundesdeutsche Gesellschaft wurde nicht unerheblich durch die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus geprägt. Mal verharmlosend, mal alarmistisch, selten leise. Im Strom der Meinungen gab es unterhalb der richtig rechten Szene durchgängig einen konservativ-reaktionären Anteil, der in der Bundesrepublik immer weniger öffentlichen Raum besetzen konnte. Ein „Tiefpunkt“ war Richard von Weizsäckers Bekenntnis, dass der 8. Mai 1945 eine „Befreiung“ gewesen sei. Nur wenige Jahre später ergab sich jedoch für diese Kreise das unverhoffte Glück, nationale Größe „selbstbestimmt“ wiederzugewinnen. Weiterlesen »

20151122_letter@TS

Brief mit Anhang als PDF

Mein Brief an die Chefredaktion „Der Tagesspiegel“ am 22. November 2015

 

Sehr geehrter Herr Maroldt, sehr geehrter Herr Casdorff,

auch wenn die Userstatistik des Forumsuser wp10 ein Dabeisein von mehr als 2.000 Tagen ausweist, habe ich doch erst deutlich später begonnen, unter diesem Usernamen in Ihrem Online-Forum Kommentare zu schreiben. War es die Absage der BER-Eröffnung, war es der Volksentscheid zur Bebauung des Tempelhofer Felds, ich kann es nicht mehr feststellen, da ich die Beiträge selten speicherte. Meine Ablehnungsquote lag bei etwa ein bis zwei Prozent, am Anfang noch aus Unerfahrenheit, da unklar war, wo die Grenze verläuft; zumeist fielen die kurz hingeworfenen Kommentare durch. Auch deshalb hatte ich beschlossen, ich „kann nur lang“. Ich müsse die Grundlagen meiner Argumentation mitliefern, und nicht durch Verwendung irgendwelcher Begriffe darauf verweisen, da sie sofort miss- weil anders verstanden werden könnten, als ich es möglicherweise meine.

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Als Nächstes also das MyFest. Seit einiger Zeit gibt es Hinweise, dass dieses bekannte
Straßenfest jeweils zum 1. Mai eines Jahres im Umfeld der Oranienstraße, in dem stolz als
Herkunftsbezeichnung geführten SO36 des sich heute blutarm Friedrichshain-Kreuzberg
nennenden Bezirk gelegen, nicht mehr stattfinden soll. Zumindest nicht in der bisherigen Form. Der
Karneval der Kulturen steht vor anderen, im Ergebnis aber ähnlichen Problemen. Dass beide in
Kreuzberg beheimatet sind, ist Zufall. Schließlich wurde die Loveparade unter anderem
aus den gleichen Gründen, die jetzt das MyFest ins Aus befördern soll, gestrichen. Ihnen ist eigen,
dass sie als „politische Versammlung“, als Demonstration durchgeführt wurden. Das hat vor allem
monetäre Gründe, die öffentliche Hand allein ist für Sicherheit und Ordnung zuständig. Mit
diesem „eleganten“ Kniff gehen die unter der Hand zugewachsenen Kosten zu Lasten des
Haushalts des Landes Berlin, das diese aber nicht mehr übernehmen will. „Interessierte Kreise“
legen jedoch Wert darauf, bei den genannten Veranstaltungen von vollkommen unterschiedlichen
Einzelfällen zu sprechen. Dabei ist seit Jahren offensichtlich, dass (auch) hier, die Systemfrage zu
stellen ist. Weiterlesen »

„Niemand verlässt sein Heimatland leichtfertig.“

Es ist einer der besten ersten Sätze in dieser Debatte. Weil an ihm alles abprallt, was an Hass und Übertreibung geäußert wird, vor allem die Unterstellung, jemand würde sich „für ein paar Silberlinge“ auf den Weg machen.

Nur leider ist diese Stimme – befürchte ich – zu schwach, weswegen ich bezweifele, ob sie wirklich durchdringt. In einer Debatte, in der viel von Kontrolle, Grenze, Überforderung, nicht verändern Wollen und Sollen, die Rede ist. In einer Zeit in der „Ergebnisse“ gefordert werden und nicht Arbeit, deren „Wirkung […] nicht sofort messbar“ ist. In einer Lage, die Gelegenheit bietet, mit vielem „Gedöns“ endgültig aufzuräumen. Diese Chance wird man sich nicht entgehen lassen wollen, dieses Risiko wird noch viel zu wenig wahrgenommen.

Wir sind an einem Abzweig, ähnlich einem Autobahnkreuz, angekommen. Eine Zeit lang kann man noch parallel fahren, bis zu einem Punkt, an dem man sich entscheiden muss, entweder geradeaus wieder die Auffahrt zu nehmen, oder tatsächlich abzufahren. Dazwischen gibt es nur den Graben. Die gegenwärtige Situation (des langsamer Fahrens) hilft vielleicht, die Richtung (neu) zu bestimmen.


Erstmals erschienen 13.11.2015 13:03 Uhr im Leserforum (User wp10)
Der Tagesspiegel ® 13.11.2015 Verschlossene Türen, offene Arme

Gibt es eigentlich irgendeinen Politiker (m/w) von Rang, gleich aus welcher Partei, der eine Vorstellung von (gedanklicher) Struktur in dieser Lage hat? Der dieser Situation einen Halt gäbe, der erforderlich wäre, um tatsächliche Struktur (zurück) zu gewinnen. Ich sehe leider nur einen aufgeregten Hühnerhaufen. Und eine Bundeskanzlerin, die durch Ruhe und Besonnenheit zwar versucht, die Hysterie nicht überschlagen zu lassen. Jedoch das, was erforderlich wäre – einen Horizont aufzuzeigen, aus dem sich die gegenwärtige Tagespolitik ableiten ließe – nicht leisten kann. Weil es weder ihre Art ist noch sie über geeignete (Obamasche) rhetorische Mittel verfügt. Auch Robert Birnbaums Beitrag ändert an dieser Sicht nichts. Weiterlesen »

Der Einigungsprozess stand stark unter dem Drang, das Gemeinsame zu betonen. Doch dieses
verweist zwangsläufig zunächst auf Trennendes (Mauer), Furchtbares (Krieg, Vernichtung und
Vertreibung), dann erst auf demokratische Erfahrungen (Weimar, im Westen aber als Wegbereiter
des Dritten Reichs gesehen), schließlich auf nicht-demokratische Herrschaftsformen. Ebenso weit
zurück geht der Verweis auf die gemeinsame Kunst und Kultur, letztlich auf die unschuldigen
Goethe und Schiller. Bei Büchner oder Heine bewegt man sich schon nicht mehr auf so festem Eis.

Der Versuch der Ostdeutschen, die Einheit nicht nur als bedingungslose Kapitulation begreifen zu
wollen, ist verständlich. Dies wird nicht dadurch gelöst, dass man gegen Kindertagesstätten und
Polikliniken die Reise- und Meinungsfreiheit in Stellung bringt. Ob eine stärkere „gemeinsame
Identität“ erreicht worden wäre, hätte man vonseiten der Ostdeutschen von vorneherein mehr
einbringen können, bezweifele ich. Geht es um das gemeinsame Erreichen oder das gleiche
Besitzen (der Identität)? Weiterlesen »

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