Männerbund

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Bei der gegenwärtigen Krise muss man die Ursachen dessen, was als „Flüchtlingskrise“ gilt, von dem trennen, in welcher Weise versucht wird, damit umzugehen. Bei der Flüchtlingskrise sind „äußere“ Einflüsse maßgeblich, auch wenn so mancher insbesondere Merkels „Einladung“ als „Freibier für alle“ deuten will. Und sollte das richtig sein, machen sich logischerweise „alle“ auf den Weg, um sich am köstlichen Nass zu laben. Sollten zwischen Heimat und Kneipe auch Berge, Täler und Meere liegen, für ein gutes, frischgezapftes Pils nimmt man gerne einen weiten Weg in Kauf. Denn es gibt „kein Bier“ in Syrien. Diese Haltung eint auf merkwürdige Weise „rechts“ wie „links“.

Das betrifft auch die Art und Weise, wie Politik und Gesellschaft damit umgehen sollen. Deckel darauf und fertig, was nicht passt wird passen gemacht. Hauptsache, man wird in seiner Ruhe jeder in seiner Nische nicht gestört. Der Grundstrom dieser Entwicklung reicht jedoch ein gutes Stück in die Vergangenheit, als Flüchtlinge in Deutschland nur aus der „Ostzone“ kamen. Die bundesdeutsche Gesellschaft wurde nicht unerheblich durch die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus geprägt. Mal verharmlosend, mal alarmistisch, selten leise. Im Strom der Meinungen gab es unterhalb der richtig rechten Szene durchgängig einen konservativ-reaktionären Anteil, der in der Bundesrepublik immer weniger öffentlichen Raum besetzen konnte. Ein „Tiefpunkt“ war Richard von Weizsäckers Bekenntnis, dass der 8. Mai 1945 eine „Befreiung“ gewesen sei. Nur wenige Jahre später ergab sich jedoch für diese Kreise das unverhoffte Glück, nationale Größe „selbstbestimmt“ wiederzugewinnen. Weiterlesen »

Richtig ist, es „muss Empathie in politisches Denken münden“ (username). Die Begründung, warum dies „unangenehm werden“ muss, wenn man „ein Verantwortungsethiker ist“, bleibt der Kommentar schuldig. Er behauptet implizit, dass die in der Gesellschaft geltende Beschränkung („Die eigene Freiheit endet dort, wo die anderer beeinträchtigt wird“) für Menschen, Staaten außerhalb nicht gelte, bzw. man dafür nicht zuständig sei. Die Verantwortung endet einfach an den „Außengrenzen der EU“. Die eigene Wirkung reicht jedoch deutlich über diese hinaus, so dass die eigene Freiheit darüber hinausreicht. Aber sollen die anderen zusehen, wie sie damit zurechtkommen, können sich ja „schützen“.

Im Gegensatz zur Ansicht vieler steht Politik nicht nur in der Verantwortung des eigenen Volkes, ist nicht bloß Vertreter „unserer Interessen“, sondern in der Pflicht, vielfältige Interessen zu beachten. Ausdruck erhält dies durch Verträge, die zu gegenseitiger Achtung verpflichten. Was Politik – und Wirtschaft – der vergangenen Jahre jedoch kennzeichnet, ist, Verantwortung bereits im Unterzeichnen solcher „papiernen“ Verpflichtungen erschöpft zu sehen, so dass aus diesen weder Anforderungen erwachsen, noch Verstöße erkannt werden.

Dass bei diesem „Vorbild“ das „Volk“ sich gestärkt sieht aufzufordern, damit gefälligst fortzufahren, kann nicht verwundern, gleich, ob dieses Tun auf vielen Feldern ihr Scheitern gerade vorführt. Offensichtlich ist, was längst nicht alle sehen wollen, dass „[…] man fair das teilt, was auf den Tisch kommt“ (username). Das ist keine Einladung „aller“ an unseren Tisch. Es ist die Aufforderung, dort, wo man kann (da wird Politik plötzlich ganz machtlos), dafür zu sorgen, dass alle dort ihren Anteil erhalten. Und erst, wenn alle am Tisch satt sind, man von einem „übrig“ reden kann, das sich verteilen lässt. Das „letzte Stück“ bekommt, wie wir wissen und schmunzelnd zur Kenntnis nehmen, sowieso immer der Gleiche. Und wir neiden es nicht.

(Empathie als Umgangsform mit den Flüchtlingen II)


Erstmals erschienen 08.11.2015 11:52 Uhr im Leserforum (User wp10)
Der Tagesspiegel ® 09.11.2015 Die unheimliche Not der anderen
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