Kurz bevor sich das Jahr 2015 dem Ende zuneigte, überraschte eine Nachricht diejenigen, die in Deutschland, viel mehr noch in München, den Jahresendfeiern entgegenstrebten. Nur wenige Wochen, nachdem ein Terroranschlag mit vielen Toten in Paris zu vermelden war, sah man sich in Bayern „genötigt“, ebenfalls Terroralarm auszurufen. Wenige Tage, nachdem die bayerische Staatsregierung mit einem erneuten Vorstoß gescheitert war, die Grenzen des Landes (selbst) stärker sichern zu wollen. Aber, da nun Polizei Ländersache ist, brauchte man sich wegen des Alarms um die Bundesregierung nicht weiter scheren.

Das war wirklich sehr, sehr knapp

Das war wirklich sehr, sehr knapp

Der Chefredakteur der Berliner Morgenpost hat dieses Ereignis auf eine Weise kommentiert, die man nur „schlicht“ nennen kann. Bewundernd spricht er davon, dass „binnen sieben Minuten“ der Hauptbahnhof geräumt worden sei. Er war sich zudem nicht zu schade, davon zu sprechen, dass „in der bayrischen Hauptstadt […] der Terror islamistischer Extremisten […] verhindert werden“ konnte, als habe man buchstäblich in letzter Sekunde Terroristen aufhalten können. Tatsächlich hat man einen solchen nicht einmal aus der Ferne gesehen. Keine Spur nirgends; nichts, was auch nur auf einen Anschlagsversuch schließen ließe. In den Tagen danach lieferten Sender aus dem Zensur– und Täuschungsverbund ARD die entsprechende Nachricht nach, dass bereits vor Weihnachten ein Iraker in einem Polizeirevier (in Hengasch?) erschienen sei, um dort von möglichen Anschlagsplänen in Deutschland mit namentlich benannten Attentätern zu berichten, die ihm sein Bruder aus dem Irak übermittelt habe.

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Am 17. November 2015 versuchte ich darzulegen, „warum jemand ein Nazi ist, der wie ein Nazi spricht oder schreibt“, durch Bewertung der Äußerung des Leiters der Meinungsseite der Berliner Tagesszeitung „Der Tagesspiegel“ vom Wochenende.

„Wer die Attentate von Paris missbraucht, gegen Flüchtlinge zu wettern, ist ein Lump. Wer die Attentate missbraucht, das Gespräch über die Grenzen der Willkommenskultur zu unterbinden, ist nicht viel anständiger als ein Lump.“

Diese beiden Sätze erlauben weitere Schlüsse, die 1. die Frage beantworten, wem die Äußerung  tatsächlich gilt und 2. eine deutliche Verstärkung der oben genannten Ansicht beinhalten.

1. Wem die Äußerung tatsächlich gilt

Soll der „Lump“ getroffen werden?

Ausgehen kann man von der Frage, ob es angesichts der Attacken gegen Flüchtlinge, dem Abfackeln von Unterkünften nicht erlaubt sei, auch mit drastischen Worten gegen diejenigen zu wettern, die Attentate „missbrauchen“, und die sich im Grunde in die Reihe der genannten Täter einreihen. Der Begriff „missbrauchen“ ist gut gewählt, sind solche Handlungen – vor allem an Kindern (siehe zuletzt Missbrauch mit Tötung in Berlin/Brandenburg) – mehr als geächtet, so dass der Gebrauch von „Lump“ gerechtfertigt scheint. Weiterlesen »

Wohin die Lage getrieben werden soll, innerhalb der Union, ist offensichtlich. Durch langsames
Mahlen Merkel mürbe zu machen. Dabei kann es gar nicht darum gehen, Merkel abzulösen, denn
keine der Alternativen verfügt – trotz der vielen neuen Fragezeichen – über die gleiche Zugkraft.
Merkel soll einlenken („Habe unterschätzt, dass …“) und künftig die Seehofer-Politik betreiben.
Bloß, damit braucht Merkel bei der Wahl gar nicht anzutreten, denn ihre Glaubwürdigkeit wäre
perdu. Sie wird sich entscheiden müssen, für eine „männliche“ Lösung eines Donald Trump
(„You’re fired!“) – und zwar beide, den anschließenden Tumult durchzustehen, um endlich wieder
Handlungsfähigkeit und -freiheit zurückzugewinnen. Oder den „Männern“ aus eigenen Stücken
(Rücktritt) das Feld zu überlassen, um diese die Regierung selber an die Wand fahren zu lassen.
(Die Seehofer-Freunde sollten sich in ihrem Gebrüll nicht über die wirkliche Zahl ihrer Anhänger im
Land täuschen. Der gegenwärtige Zweifel betrifft die Handlungsfähigkeit, nicht die Richtung.)

Die dritte Variante für Merkel ist die schmachvollste. Sie sollte wissen, dass die CDU auch das
kann, sie wie Ludwig Erhard vom Hof zu jagen. (Kiesinger heißt heute Bouffier.)


Erstmals erschienen 13.11.2015 09:35 Uhr im Leserforum (User wp10)
Der Tagesspiegel ® 13.11.2015 Im Doppel gegen die Kanzlerin

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