Wir erhalten zwar ein Szenenbild mit den Hauptdarstellern, doch, was die meisten interessiert, wie
es denn „nach der Pause“ weitergeht, bleibt unbeantwortet. Selbst die Rollenbeschreibungen lassen
nicht einen Schluss zu, was „die Regie“ vorgesehen hat. Vor allem nicht, wie es denn ausgeht. Im
Hintergrund aber, das haben die Berichterstatter ausgelassen, sehen wir „pausenlos“ Menschen
vorbeiziehen, vollkommen gleich, was im Vordergrund stattfindet.

So verständlich der Wunsch nach Klarheit oder Struktur ist, sie wird sich so schnell nicht einstellen.
Denn die Antworten werden ausschließlich aufgrund bisheriger Erfahrung (eher Nicht-Erfahrung)
gegeben. Diese Flüchtlingskrise ist – und das sollte verstanden werden – anders als die bisherigen
(im Europa der vergangenen 70 Jahre). Sie verlangt andere Antworten; diese werden vielen nicht
gefallen. Die Herausforderungen sind deutlich größer als (öffentlich) beschrieben (es geht nicht
„bloß“ um Flüchtlinge). Mir ist noch nicht klar, ob die Verantwortlichen mitwachsen (wollen).


Erstmals erschienen 09.11.2015 21:33 Uhr im Leserforum (User wp10)
Der Tagesspiegel ® 09.11.2015 Alles kreist um Angela Merkel

Mein Eindruck ist, dass die Sprache des diplomatischen Parketts, die versucht möglichst
niemandem auf die Füße zu treten, nicht mehr ausreicht. Selbst das vermeintlich klare „In diesem
Sinne ist Viktor Orban kein Europäer“ nimmt nicht das Land, sondern die Person ins Visier.
Das Schwierige an der Lage ist, dass der träge Fluss der EU plötzlich mächtige Stromschnellen
aufweist, sich diverse Länder (auch Deutschland) Eigenmächtigkeiten leisten (nicht bloß
beabsichtigen), bevor diese auf der Tagesordnung der EU landen, diese Alleingänge zu Fragen
nationaler Souveränität erheben, und man sich Einmischungen in die inneren Angelegenheiten
verbittet, bzw. erwartet, dass diese Eigenmächtigkeiten zum europäischen Programm erklärt werden
(um sie aus dem nationalen Rahmen zu befreien). Nur, die EU ist vor allem eine Vereinbarung über
die Aufgabe nationaler Souveränität, diese ist gar kein Wert mehr (was es vor allem der Türkei so
schwer machen dürfte, in ihr Mitglied zu werden).

Als Schwäche der EU zeigt sich in dieser kritischen Phase, dass gar keine eigenständige EU –
souverän jenseits nationaler gouvernementaler Kontrolle – existiert, die eigenverantwortlich handeln
oder auch Geld in die Hand nehmen kann. Ohne Zustimmung der nationalen Regierungen geht
(zu) wenig. Die entscheidenden Regierungen sind jedoch mehr oder minder gelähmt, vor allem,
weil sie mit sich (innenpolitisch) beschäftigt sind: „Bedrohung“ durch Nationalisten, Flüchtlinge,
Referenden oder Schulden. Die anderen verdrücken sich im Glauben, dass sie alleine zu wenig
bewegen können, oder im Bewusstsein, dass es so gerade gut passt. Natürlich auch bloß aus
innenpolitischen Gründen.

Sich die EU, die EU-Kommission am kurzen Gängelband zu halten, fällt den Beteiligten jetzt
ziemlich auf die Füße. Ein starker EU-Präsident verdeckte die Krise bloß, die Konstruktion muss
grundsätzlich geändert werden. Das ist die größte Herausforderung, denn es ist nicht das einzige,
was grundsätzlich in Frage steht.


Erstmals erschienen 08.11.2015 19:34 Uhr im Leserforum (User wp10)
Der Tagesspiegel ® 06.11.2015 Man kann die Menschen nicht einfach abweisen

Also, …

Also – es ist eine Herausforderung, ohne Frage. Schwarz ist immer eine Herausforderung. Auch das
„kleine Schwarze“ ist eine Herausforderung, am hellichten Tag getragen. Denn es signalisiert
immer – Souveränität.

Möglicherweise ist es genau das, was so manchen auf die Palme treibt, diese Souveränität so zur
Schau zu stellen, ungebrochen durch ein farbiges Accessoire. Diese Provokation! Deswegen wird
es wenig nützen, sollten die schwarzen Flaggen auf dem „Scheiterhaufen der Geschichte“ landen.
Stolz darf man nicht sein, auf sich, in der „Weltstadt“ Berlin.


Erstmals erschienen 20.10.2015 20:34 Uhr im Leserforum (User wp10)
Der Tagesspiegel ® 20.10.2015 IS, gib mir meinen Style zurück!

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