I apologize, es tut mir leid, zu viel Blei, fünf elende Seiten Text. Nicht einmal eine Zusammenfassung, keinesfalls in 1:30 zu schaffen, selbst für Schnell-Leser nicht.

Dennoch hier eine Hilfe:

1. Es geht um die Kermani-Rede in der Paulskirche im Oktober.

2. Wenn Sie nur die 101. Antwort auf den „Schloemann-Angriff“ vom 20. Oktober 2015 lesen wollen, gehen Sie gleich zu 2.1.

3. Wenn Sie nur an den Verfälschungen der Tagesschau interessiert sind, gehen Sie
direkt zu Abschnitt 2.2.

4. Und wenn Sie daran interessiert sind, wie die Stützen der Gesellschaft abgewatscht werden, gehen Sie zu 2.3.

Sie können einfach hier weiterlesen, Sie verpassen nichts, denn das Beschriebene ist längst passiert, es besteht daher kein dringender Handlungsbedarf.

„Eigentlich“ sollte dieser Text sich ziemlich geradeaus auf sein Thema, den Abschnitt 2.3. zubewegen, dem Abwatschen mancher, die an unserer Stelle statt, in der ersten Reihe stehen. Auf denen herumgehackt wird, die meistens als „korrupt“ oder „unfähig“ bezeichnet werden, in der Regel beides mit einem „und“ verbunden. Leider kamen mir, und dazu noch doppelt, Hindernisse in den Weg, die ich nicht einfach ignorieren oder umgehen kann. Aus dem Weg räumen kann ich sie nicht, aber wenigstens Hinweisschilder aufstellen, damit die nächsten, die vorbeikommen, nicht gefährdet werden. Da die Hindernisse nun angesprochen werden, die Verantwortlichen benannt sind, könnte die Chance bestehen, dass über kurz oder lang, sich „jemand“ der Sache annimmt.

Als ich mir die Hindernisse näher und von verschiedenen Seiten betrachtete, stellte ich auf einmal fest, dass diese Hindernisse exakt aus dem gleichen Stoff wie mein Thema in 2.3. gewebt sind. Der Anlass, sich damit zu beschäftigen, liegt schon ein paar Wochen zurück. Weiterlesen »

Irgendetwas muss Architekt Stephan Braunfels richtig gemacht haben, wenn eine Gruppe junger
Frauen eines seiner Gebäude für wert befindet, als Hintergrund für ein Foto zu dienen, bei dem
die Frauen in einer Reihe aufgestellt auf Kommando hochspringen, um sich gemeinsam auf einem
Foto zu präsentieren. Keines dieser Selfies, möglicherweise noch mit Hilfe einer langen Stange, um
noch mehr aufs Bild zu bannen. Doch so schlimm auch wieder nicht, schließlich ist der
Selbstauslöser keine Erfindung dieser Tage. War der eher unpraktisch, weil häufig die passende
Auflage für den Apparat fehlte.

Es sollte nicht einfach „ein“ Foto werden, sondern ein gutes. Weshalb die Frauen nochmals und
nochmals die Szene wiederholten, um später sich für eines entscheiden zu können, vielleicht für
das, auf welchem das Licht am besten fällt, oder auf dem die lebendigsten Bewegungen zu sehen
sind, was auch immer mit dem Foto zum Ausdruck kommen soll. Vielleicht haben sie auch nur
gewartet, bis der passende Teil der Lichtinstallation Maurizio Nannuccis im Fenster des
Gebäudes gegenüber erscheint:

„Freiheit ist denkbar als Möglichkeit des Handels unter Gleichen / 
Gleichheit ist denkbar als Möglichkeit des Handels für die Freiheit“.

Dass es sich bei diesem Gebäude um das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus des Deutschen
Bundestags handelt, muss den Frauen in dem Augenblick nicht einmal bekannt gewesen sein.
Vielleicht sind sie aber schon vor ihrem Fototermin – ansonsten vielleicht danach – beim
Spaziergang am Ufer der Spree an einem Bauschild vorbeigekommen, dass die Erweiterung
beschreibt. Der Name des Gebäudes oder seine Funktion dürften mit Sicherheit den Wert des
Fotos nicht schmälern, im Gegenteil.

Als ich den Weg von der Marschallbrücke wieder hinunter zur Spree fuhr, blickte ich nochmals in
Richtung Reichstag. Und erneut sprangen die Frauen mit einem heftigen Satz, nicht ohne einen
auf dieser Seite nicht mehr verständlichen Ruf auszustoßen, in die Luft. Wie könnte man besser der
Toten an diesem Sonntag gedenken als mit einem Ausdruck solcher Freude am Leben.
Einen besseren Ort haben sie sich dafür wirklich nicht aussuchen können, in diesen Zeiten, am
Sonntag zwischen eins und halb zwei.


Erstmals veröffentlicht via twitter.com/WPietschke  23.11.2015  10:03:51

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