„Wer die Attentate von Paris missbraucht, gegen Flüchtlinge zu wettern, ist ein Lump. Wer die Attentate missbraucht, das Gespräch über die Grenzen der Willkommenskultur zu unterbinden, ist nicht viel anständiger als ein Lump.“

Mit diesen beiden Sätzen hat der Leiter der Meinungsseite der Berliner Tageszeitung „Der
Tagesspiegel“ am Wochenende nicht nur einen Aufnahmeantrag bei den Nazis abgegeben,
sondern sich gleich aufgenommen.

Die deutsche Sprache ist, wie viele andere, eine reiche. Sie verfügt über vielfältige
Möglichkeiten zu differenzieren, sie erlaubt stilistische Feinheiten, zudem sind Verstöße gegen die
Grammatik oder solche gegen eine als einschraenkung empfundene schreibweise moeglich, ohne
dass sich viel am Verständnis änderte. Auch die eingangs zitierte Äußerung lässt keinen Zweifel am
Verständnis zu, denn – sein Autor ist ein belesener Mann – mit ihr wird auf den berüchtigten
Präsidenten (1942 – 1945) des Volksgerichtshofs Roland Freisler Bezug genommen, zu dessen
bevorzugten Ausdrücken der „Lump“ gehörte. Gerne verbunden mit dem Adjektiv „schäbig“.

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Der Bundespräsident kommt im Fernsehen. Das ist gut. Für den Präsidenten. Dort sind sie immer nett. Dort werden sie wieder nett sein. Das gebietet schließlich die Achtung vor dem Amt. Es sei denn, Anja Reschke und Sonia Mikich führten das Gespräch. Das werden sie aber nicht.

Das Gute ist, es gibt – vermutlich – nichts mehr aufzuklären. Alle Fakten sind mittlerweile bekannt, kann man also alles zugeben, aufklären. Es geht nur noch um die Bewertung. Die ist eigentlich auch schon erfolgt. Der, nun ja, unprofessionelle Umgang mit den Ereignissen lässt nur noch den Rücktritt zu. Doch diese Leute sind schmerzfrei. So schnell gibt man nicht auf. Die Regierung ist schließlich auch noch im Amt.

Doch solch ein Verhalten fordert doch geradezu den Jagdeifer heraus. Weiß das auch Herr Wulff? Ich hoffe, er hat seine “Leichen” alle überprüft. Aber darum geht es gar nicht. Hauptsache, erst einmal um die nächste Ecke kommen.

Mit Christian Wulff scheitert eine ganze Politikergeneration: Die Leistung-muss-sich-lohnen-Fraktion. Was in dieser Kaste immer schon hieß, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein, um die Sahne abzuschöpfen.

Die Installation Horst Köhlers sollte die Vorbereitung der schwarz-gelben Koalition sein. Wie wir wissen, kam es schließlich anders. Die musste noch ein wenig warten. Doch erst mit Christian Wulff zog der wirkliche schwarz-gelbe Präsident ins Schloss Bellevue ein. Jung, aktiv, smart. Nicht über den Akteuren stehend, sondern mittendrin. Und gefiel sich in seiner neuen Rolle mit First Lady Bettina an seiner Seite.

Doch genau so schnell, wie sich die Koalition zerlegt hat, erfolgt nun der Niedergang des Präsidenten im Amt. Vor allem zeigten die liberalen Kabinettsmitglieder, dass sie eines können: Pose. In der Vergangenheit versuchten sie den Eindruck zu vermitteln, dass die politische Kaste nur deshalb in der Politik sei, weil sie im normalen Leben nichts zuwege brächte. Doch demonstrierten sie im Ernstfall ihren Totalausfall, zeigten, dass sie genau so sind, wie sie es ihren Gegnern immer vorzuhalten pflegten. Und insbesondere Westerwelle – der bis heute von seinem Amt so beeindruckt ist – und Rösler gaben und geben zu erkennen, dass politische Ämter von ihnen mit links auszuüben sind. Und betonen damit, dass ihnen jegliche Ernsthaftigkeit fehlt.

Und nur scheinbar unterschied sich darin Köhlers Amtsnachfolger. Wiewohl man meinen könnte, dass das Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten jemanden prägen sollte, ist heute eher davon auszugehen, dass Weiterlesen »

Da ich schon Urlaub hatte, war kurz vor Weihnachten eine gute Gelegenheit, unserem Bundespräsidenten live zu lauschen. Meine erste Reaktion nach dem Abgang: wenn das alles ist, wirst Du nicht lange froh sein dürfen. Sie werden Dich langsam weichkochen. Das war dann doch zu wenig und weitestgehend gedrechseltes Geschwurbel. Und es hat ja nicht einen Tag gegeben, an dem das Thema aus den Medien verschwunden ist. Na gut, an den Weihnachtstagen. Aber da wurde, wie wir jetzt wissen, schon an der nächsten Meldung gewerkelt. Und die haut einen doch eher um. Da spricht der Bundespräsident PERSÖNLICH dem Bild-Chefredakteur “aufs Band”. Und nicht etwa, bitte rufen Sie mich dringend zurück, egal wann, bin für Sie Tag und Nacht erreichbar. Sondern plärrt ein paar lächerliche Sätze in die Muschel: Rubikon, Krieg. Und dann ruft er noch – wahrscheinlich weil er Diekmann nicht erwischt hat – den Vorstand an. Der war sicher, wie man ihn einschätzen dürfte, eher irritiert. Wenn er etwas Sinn für Humor hat, hat er sich danach in die Ecke geschmissen und schallend gelacht. Wenn es nicht so traurig wäre.

Am Wochenende war von Pascale Hugues zu lesen, dass man, verglichen mit dem, was sich französische Politiker, insbesondere Präsidenten, im Amt erlauben, es sich im Falle unseres Herrn Wulffs doch wahrlich um Kleinigkeiten handelt. Und selbst der Anruf bei Bild ist bei diesen Maßstäben nun wirklich keine große Sache. Unsere Präsidenten sind aber nicht die direkten Nachfahren Ludwig XIV. Wirklich Pech. Ich denke, die Darlehensaffäre hätte er noch aussitzen können, der persönliche Anruf bei der Zeitung wird aber zu seinem Rubikon.

Kommen wir doch noch einmal zurück zum 22. Dezember und einem Kern der Wulffschen Einlassung. Nach der Entlassung des persönlichen Referenten war klar, dass es an diesem Tag keinen Rücktritt geben wird. Also gab es ein paar Entschuldigungen. Für die Profis. Viel bedeutsamer Weiterlesen »

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