Fortsetzung von 2.1. Die Entweihung der Kritik

Die Tagesschau hat in ihrer 20-Uhr-Ausgabe vom 18. Oktober 2015 den Bericht zur Kermani-Rede verfälscht. Es gibt eine andere Aufzeichnung, die belegt, dass sich die Situation nicht so zugetragen haben kann, wie es die Tagesschau vermittelt. Auf einem Smartphone (!) wird man davon jedoch nichts feststellen können, man braucht einen größeren Bildschirm.

Die angesprochene Frau, die der Berichtsausschnitt zeigt, dürfte in der ersten Reihe vermutlich sogar eine der wenigen sein, die Kermani dort Achtung entgegengebrachte. In dem weiteren Beitrag sind die Gesichter ihrer Nachbarn sehr groß im Bild. Dort sehe ich Ratlosigkeit, vor allem Wut und Zorn, wenn nicht gar Verachtung. Unter deren Gesinnungsfreunden dürften diejenigen zu finden sein, die für den entsprechenden Beitrag in der Tagesschau sorgten. Eine Sendung, die man angeblich zum Ausweis der Nachrichten“kompetenz“ der ARD ins Feld führt. Zudem wird der besagte weibliche Gast zur Falschdarstellung missbraucht. Die Verfälschung, die durch perfiden Filmschnitt entstanden ist, kann ich nicht „beweisen“, sondern nur ihre Wahrscheinlichkeit behaupten, da ich die Rohfassung nicht kenne. Auch hier wird es „jemand“ geben, der dies problemlos nachreichen kann.

Der zweite Beitrag, der den gegenteiligen Eindruck vermittelt, ist auf der Webseite des ZDF zu finden, wo die vollständige Rede audio-visuell dokumentiert ist. Dort ist an der gleichen Stelle des Ablaufs erkennbar, dass das Hinsetzen erst erfolgte, als Kermani Rede und Gebet schon beendet hatte und auf das Publikum zuging. Kermani schiebt sich von links ins Blickfeld der Kamera, die auf die erste Reihe mit der – nach dem etwas längeren Stehen verständlich – sich setzenden Frau gerichtet ist. Als diese zu bemerken scheint, dass Kermanis auf die Reihe zukommt – sie bemerkt es noch im Hinsetzen – steht sie sofort wieder auf. Warum sollte sie das tun, wenn sie sich von ihm oder seinem vorherigen Auftritt distanzieren wollte? Sie könnte erst aufstehen, sollte er direkt auf sie zugehen. Darüber hinaus spricht ihr Gesichtsausdruck nicht von Ablehnung. Nach allem, was ich gesehen habe, sieht man mit dem Zweiten besser.

Das lässt leider ein weiteres Ereignis bedeutsamer erscheinen, als es im Nachhinein von Verantwortlichen dargestellt wurde. Als am 2. November 2015 bekannt wurde, dass Katarina Barley neue Generalsekretärin der SPD werden sollte, war ich, da ich Sigmar Gabriels Pressekonferenz verpasst hatte, auf der Suche nach „Bewegtbildern“, um mir einen Eindruck davon zu verschaffen, warum die Wahl auf sie gefallen sei. Dabei stieß ich auf die SWR Landesschau Rheinland-Pfalz, dem Bundesland aus dem Barley kommt, deren Beitrag zwar nicht das Gewünschte lieferte, hingegen mit dem Satz „neben dem Bundestag ist sie noch in zwei anderen Karnevalsvereinen aktiv“ aufwartete. Meines Wissens ist der Beitrag nicht mehr im Netz verfügbar („jemand“, s.o.).

Auf meine E-Mail am gleichen Tag antwortete am 11.11.2015 Lothar Schmitz (Redaktionsleitung – SWR Landesschau Rheinland-Pfalz): „In den Landesschau Rheinland-Pfalz Notizen erlauben wir uns einen nicht ganz nachrichtlichen und augenzwinkernden Blick auf die Themen des Landes. Wenn Sie die Sendung regelmäßig verfolgen, ist Ihnen das bestimmt schon aufgefallen. In diesem Zusammenhang ist auch der von Ihnen zitierte Satz zu sehen, Zum Glück passiert es selten, dass wir dabei über das Ziel hinausschießen. In dem vorliegenden Fall war das aber so! Den Bundestag mit einem Karnevalsverein gleichzusetzen war weder die Absicht des Autoren, geschweige denn ist das die Haltung der Redaktion!

Für mich hatte es damit sein Bewenden, teilte dem vorgenannten Schreiber noch mit: „In Berlin ansässig, gehöre ich nicht zu Ihren Zuschauern, kann demnach auch Ihren Hinweis auf „den augenzwinkernden Blick“ nicht bestätigen, aber auch nicht widerlegen.“ („Jemand“ anderes?) Nachdem ich nun über die Verfälschung des Tagesschau-Beitrags stolperte, wachsen hingegen meine Zweifel an der Darstellung des Redakteurs erheblich.

Fortsetzung 2.3. Die Entweihung der Stützen der Gesellschaft


Erstmals veröffentlicht via twitter.com/WPietschke 27.11.2015  19:02:34

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