Gerhard Schröder halte ich für den furchtbarsten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland („in der Wirkung schrecklich, entsetzlich, grauenvoll“). Was ich sofort einschränken muss, da ich Adenauer,
Erhard und Kiesinger nicht auf gleiche Weise beurteilen kann.

Gegen den ewigen Egokanzler Kohl schickte die SPD den Ich-Ich-Ich-Kandidaten Schröder ins
Rennen. Dessen einziges Motiv: „Ich-will-hier-rein“. Dass das im Amt nicht genügte, musste er
dann selber feststellen. Diese Leerstelle haben andere, insbesondere aus der Großindustrie, schon
zuvor bemerkt und ihn in seinem Selbstverständnis als „Genosse der Bosse“ gestärkt. Und zur
Unterstützung diverse Mitarbeiter in Ministerien abgestellt, um bei Gesetzen zu „helfen“. Nach
seiner Amtszeit hatte er nichts Besseres zu tun, als sich für ein paar Euro zu verkaufen. Um endlich
pekuniär die „Früchte seiner Arbeit“ zu ernten. Ob er auch das Land verkauft hat? Eher nicht. Man
sollte aber ansehen, wieviel politisch-gemeinnütziges Engagement der Kanzler a.D. aufweist. Nada
de nada. Dass manch gemeiner Sozialdemokrat ihn noch immer für „einen von uns“ hält, der sich
von „ganz unten“ heraufgearbeitet hat, ist unbegreiflich.

Ein anderer Zeitgenosse kommt ebenfalls aus kleinen Verhältnissen, der gern zitierte Hans-Werner
Sinn. Und auch bei diesem kann man fragen, wieviel Überanpassung an seine peer group in
dessen Tätigkeit und Äußerungen stecken.,

Sozialisation funktioniert nicht als Ursache-Wirkungs-Prinzip. Das heißt aber nicht, dass man seine,
insbesondere emotionalen, Erfahrungen (tatsächlich) wie einen Mantel an der Garderobe abgeben
kann. Amüsant sind die regelmäßigen Versuche im Falle prägender Persönlichkeiten, deren
Handlungen immer als rational begründet zu beschreiben, oder Rationalität in der Biographie
aufzuspüren zu wollen (wie bei unserer Physikerin). Es kann gar nicht sein, dass diese „Großen“
bloß Menschen sind.

Und Trittin? Nur wenn sein „Ex-Boss“ Epochales leistete, war auch er an Epochalem beteiligt.


Erstmals erschienen 22.09.2015 12:16 Uhr im Leserforum (User wp10)
Der Tagesspiegel ® 22.09.2015 Deutschland wurde unter Gerhard Schröder erwachsen

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