Jun 262016
Die Folgen des Brexit

Die langfristigen Folgen eines Brexit

Die Stärkung der deutsch-französischen „Achse“ als Folge des Brexit wird – entgegen der Erwartung ihrer Unterstützer – zur weiteren Desintegration der EU beitragen. Die deutsch-französische Aussöhnung nach dem 2. Weltkrieg war die unbedingte Notwendigkeit für das „Friedensprojekt“ Europäische Union. Der Beitritt des Vereinigten Königreichs – weitestgehend nur als Störenfried wahrgenommen – verhinderte jedoch, dass sich es sich Deutschland und Frankreich gemeinsam zu gemütlich machen konnten. Dadurch bekamen auch die anderen Mitglieder der EU genügend Aufmerksamkeit, auch und gerade nach der Erweiterung im Osten.

Nach einem Brexit wird die deutsch-französische Achse, nur notdürftig verschleiert durch die Erweiterung auf die Gründungsmitglieder, nicht als Motor, sondern als Bremser wirken, da nur noch solche Ideen gefördert werden, die in erste Linie Deutschland und Frankreich nutzen. Wer soll jetzt noch der starke Fürsprecher anderer Mitgliedsstaaten sein? In der Folge werden, nach den bereits jetzt vorhandenen Absetzbewegungen, weitere Staaten ihr Heil in der Isolation suchen. Und warum sollten sich nicht die Staaten Osteuropas verbünden und gemeinsam wieder aus der EU ausscheiden?

Um überhaupt die Chance auf eine Umkehr des Desintegrationsprozesses in der EU zu bekommen, ist es dringend notwendig, das Vereinigte Königreich davon abzuhalten, das Austrittsgesuch nach Artikel 50 des EU-Vertrages überhaupt zu stellen. Dieses erfordert selbstverständlich, das Land darin zu unterstützen, die unzweifelhaft auftretenden Auseinandersetzungen im Land mit allen erdenklichen Mitteln zu bewältigen. Die dafür notwendigen Maßnahmen könnten bereits ein Teil der Lösung darstellen, wie man auch das übrige Europa zumindest stabilisiert.

Es erspart aber weder die Debatte darüber, was die Europäische Union künftig sein will, wie es verfasst sein will und wie die Bürger endlich (!) zum Subjekt und nicht bloß zum Objekt in Form von – im besten Fall gut gemeinter – Fürsorge und Bevormundung werden können.

Der schnelle Vollzug des Trennungsbeschlusses ist mit Sicherheit nicht im Interesse derjenigen, um die es doch angeblich geht – der Menschen. Und vor allem nicht im Interesse der Jugend, schon gar nicht derjenigen im Vereinigten Königreich. Denn diese werden vor allem eines – (sich) im Stich gelassen (fühlen).

Jan 062016

Kurz bevor sich das Jahr 2015 dem Ende zuneigte, überraschte eine Nachricht diejenigen, die in Deutschland, viel mehr noch in München, den Jahresendfeiern entgegenstrebten. Nur wenige Wochen, nachdem ein Terroranschlag mit vielen Toten in Paris zu vermelden war, sah man sich in Bayern „genötigt“, ebenfalls Terroralarm auszurufen. Wenige Tage, nachdem die bayerische Staatsregierung mit einem erneuten Vorstoß gescheitert war, die Grenzen des Landes (selbst) stärker sichern zu wollen. Aber, da nun Polizei Ländersache ist, brauchte man sich wegen des Alarms um die Bundesregierung nicht weiter scheren.

Das war wirklich sehr, sehr knapp

Das war wirklich sehr, sehr knapp

Der Chefredakteur der Berliner Morgenpost hat dieses Ereignis auf eine Weise kommentiert, die man nur „schlicht“ nennen kann. Bewundernd spricht er davon, dass „binnen sieben Minuten“ der Hauptbahnhof geräumt worden sei. Er war sich zudem nicht zu schade, davon zu sprechen, dass „in der bayrischen Hauptstadt […] der Terror islamistischer Extremisten […] verhindert werden“ konnte, als habe man buchstäblich in letzter Sekunde Terroristen aufhalten können. Tatsächlich hat man einen solchen nicht einmal aus der Ferne gesehen. Keine Spur nirgends; nichts, was auch nur auf einen Anschlagsversuch schließen ließe. In den Tagen danach lieferten Sender aus dem Zensur– und Täuschungsverbund ARD die entsprechende Nachricht nach, dass bereits vor Weihnachten ein Iraker in einem Polizeirevier (in Hengasch?) erschienen sei, um dort von möglichen Anschlagsplänen in Deutschland mit namentlich benannten Attentätern zu berichten, die ihm sein Bruder aus dem Irak übermittelt habe.

Dez 192015

Mehr_Durchblick_auf_den_HintergrundIm Zusammenhang mit dem 24-Stunden-Löschbefehl, den Minister Maas institutionalisieren möchte einerseits, seiner Digitalen Agenda andererseits, kommen Kennzeichnungen wieder zum Einsatz, die man schon beim „Altpapier“ wähnte, DAU und Troll. Sie gehörten eigentlich nicht zu meinem Wortschatz, schließlich war die Befürchtung, dass bei ihrer Verwendung aufgrund eigener digitaler Ahnungslosigkeit mehr Finger auf einen weisen als auf andere,  viel zu groß. Aber die nun aufscheinenden Fälle zeigen, dass gerade dieser Zweifel (an sich selbst) den entscheidenden Unterschied ausmacht: dem echten DAU und dem Troll geht dieser Zweifel vollkommen ab.

Als echter Troll erweist sich Uwe-Karsten Heye, der frühere Adlatus des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten und  furchtbarsten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, der anlässlich einer Sitzung Minister Maas‘ Wohlfahrtsausschuss sich fragt, „ob ein wachsender Anteil an Katzenbildern und anderen scheinbar harmlosen Inhalten im Netz im Zusammenhang stehe mit einer „dramatisch schlechten Aufklärungsquote bei Rechtsextremismus“. Gemeint sein können ja nur Aktionen wie „Katzen gegen Glatzen“, mit denen ein Gegengewicht zu den Hasskommentaren im Netz gebildet werden soll. Heyes weitere Äußerungen fasst heise.de so zusammen, dass die Digitalisierung „für eine ‚Hemmung von Übergriffen‘ sorge“ und „dass die ‚lähmende Form der Aggression‘ im Netz […]  gefährlich“ sei. Geht man einmal davon aus, dass heise-Autor Stefan Krempl der deutschen Sprache mächtig ist, was er in den Zeilen zuvor ja problemlos unter Beweis stellt, dürfte er an dieser Stelle kaum versagt und irgendetwas missverstanden haben, und ich verstehe es ebenso, so geht Troll-Sprech. Wer nun weiterhin nur drei Fragezeichen vor seinem Auge hat, sollte sich genau ansehen, wer oder was Subjekt und was Objekt in diesen Äußerungen ist. Heye weiß aber ganz genau, wie er in einem Zeit-Interview mit Sonja Álvarez bekennt, dass es „einen sehr engen Zusammenhang“ zwischen Hass im Netz und Anschlägen gibt, merkwürdigerweise nur in eine Richtung.  Ist dann bloß keiner. Aber das ist ihm sowieso alles „völlig wumpe, Hauptsache, sie [Facebook] setzen ihre Methoden so um, dass Hasskommentare innerhalb von 24 Stunden eliminiert sind. Mit der notwendigen Sensibilität […]“. Da er gleichzeitig einen „institutionellen Rassismus“ zu sehen scheint, d. h. die „zuständigen Behörden sind auf dem rechten Auge nicht nur blind, sondern sie haben das rechte Auge zugeklebt“, meint er vermutlich, ein Recht auf Notwehr zu haben, im Wege der Selbstjustiz für Recht und Ordnung zu sorgen. So „sensibel“ war er nicht immer.

Dez 132015

00_TitelfotoDie Regelfetischisten kommen auf dem Tempelhofer Feld wieder ein Stück voran, folgt man einer Nachricht der Berliner Morgenpost. Dies findet mit Sicherheit Beifall – vor allem derjenigen, die noch nie ein Fuß auf das Feld gesetzt haben, bzw. ein einziges Mal, um festzustellen, dass diese Einöde bebaut gehört. 

Berlins Freiheit wird jedoch auf dem Tempelhofer Feld verteidigt – mit nur einer einzigen Regel.

Im Grunde kommt eine Gesellschaft mit nur einer einzigen Regel (sagen wir eineinhalb Regeln) aus, § 1 der Straßenverkehrsordnung sozusagen.

(1) Die Teilnahme [an der Gesellschaft] erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Wer an [der Gesellschaft]  teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

In diesen beiden, m. E. relativ gut verständlichen, Sätzen sind vollständig die einzig notwendigen Regeln einer Gesellschaft abgebildet. Es wird einerseits um Aufmerksamkeit ersucht, zum anderen konkretisiert, was es zu vermeiden gilt. Im Gegensatz zu dem, was unsere Regelfetischisten gerne unterstellen, ist offenkundig, dass Regeln nichts verhindern, beispielsweise Behinderung oder Belästigung. § 1 der StVO gemahnt, dass von den Mitgliedern der Gesellschaft Anstrengungen unternommen werden müssen, um diese zu vermeiden.

Auf dem Tempelhofer Feld wurden nun Beschränkungen für Kite-Surfer erlassen. Diese sollen sich nur noch in einem begrenzten Areal bewegen dürfen. Das ist sehr gut; es wird somit definitiv keine gefährlichen Begegnungen mehr zwischen Kite-Surfern und anderen Personen geben, etwa  Fahrradfahrern oder Fußgängern, weil diese sicherlich aus dem betroffenen Areal ausgesperrt werden. – Ach nicht?

Beschränkung für Kite-Surfer ist der Sündenfall auf dem Tempelhofer Feld

Bei der Festsetzung von Regeln gibt es so etwas Ähnliches wie den Sündenfall. D. h. den Punkt, an dem es kein Zurück zum Paradies mehr gibt. Dies ist nicht etwas schon unser § 1. Mit dem wird jeder daran erinnert, dass er sich (im Leben) umsichtig verhalten soll. Sondern es ist der – wie auch immer aussehende und was auch immer regelnde – Paragraph Zwei. Der meint – vermeintlich zum Zweck der Differenzierung – Konkretisierungen oder Einschränkungen vornehmen zu müssen. Sündenfall, weil jede Beschränkung Kontrolle erfordert, jede Kontrolle neue Regelungstatbestände vor Augen führt, die wiederum neue Regeln mit neuen Kontrollen zur Folge haben. Die Beschränkung für Kite-Surfer ist der Sündenfall auf dem Tempelhofer Feld. (Noch ist es eine Maßnahme, eine Vorstufe. Spätestens bis Ostern

Dez 072015
Kieler_Foerde1

Kieler Förde, vom Ostufer aus gesehen

… und die deutsch-französische Freundschaft wiederbelebte

Dies ist keine Exklusivmeldung, denn, hätte ich eine, wäre sie nicht mehr exklusiv. Exklusiv hat sie nur der Betroffene und der hat mir nichts verraten. Exklusiv kann ich auch nicht die Idee haben, denn sie dürfte sich unter den diversen Vorschlägen befinden, die als „Plan B“ bezeichnet werden. Im Übrigen springt einem diese Idee sozusagen von alleine an, seit das Aus für Hamburg feststeht. Die Verantwortlichen könnten jetzt ruhig sagen, wie weit die Sache gediehen ist. Sonst muss am Ende sich das Kanzleramt wieder einschalten; Peter Altmaier hat jetzt aber wirklich andere Sorgen. Also – Butter bei die Fische …

  1. Hamburg – die Stadt der Bünde
  2. In Kiel leben die Ja-Sager
  3. Austragungsort Olympischer Wettkämpfe 2024: Kiel
  4. Der deutsch-französische Olympiabotschafter Ralf Stegner

Eine Woche nach der Abstimmung über die deutsche Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 ist die Öffentlichkeit wieder relativ schnell zur Tagesordnung übergegangen. Eher schulterzuckend wurde das Ergebnis zur Kenntnis genommen. Höchstens die „Gremien“ werden sich wohl noch einmal damit beschäftigen. Vielleicht noch die einzelnen Sportverbände. Um die Sportler kann es einem wirklich leidtun. Bei dem sagenhaften Einsatz und dem Feuerwerk, das sie in den vergangenen Wochen abgebrannt hatten, um die Öffentlichkeit von der olympischen Idee zu überzeugen, bei der die Sportler im Mittelpunkt stehen sollen, die sich aus aller Welt an nur einem Ort treffen, um sich zu messen. Wo jede Leistung vom Publikum Anerkennung findet, gleich aus welchem Land ein Sportler kommt. Ja, man kann sagen, je kleiner und scheinbar unbedeutender das Land, desto herzlicher Empfang und Beifall. Oder haben wir von diesem Feuerwerk des Engagements nur nichts mitbekommen, Stichwort „Lügenpresse“?

Hamburg – die Stadt der Bünde

Bei Wahlniederlagen heißt es gerne, das Programm sei gut, man habe es nur nicht richtig vermitteln können. Sicher, alles lässt sich schönreden. Gescheitert ist die Bewerbung nicht an denen, die aus Prinzip dagegen sind. An denen, die glauben, „die da Oben“ nutzten jede Gelegenheit, um sich die Taschen zu füllen, während für „die kleinen Leute“ nichts mehr übrig bleibt. Die gehen sowieso nicht
(mehr) zur Wahl. Gescheitert ist die Abstimmung vor allem an denen, die mit einer fernen Ahnung von dieser olympischen Idee sich die Frage stellten, wo dieser Geist in der Bewerbung zu finden sei. Es ist diese kleine Gruppe von Menschen, die ihre Entscheidung abwägen, die überzeugt werden wollen, die sich auch überzeugen lassen, die über kleine Schwächen hinwegsehen können, wenn die große Linie stimmt. Es sind diejenigen, die, wenn es eng wird, genau den Ausschlag dafür geben, ob sich das Pendel in die eine oder in die andere Richtung bewegt. Diese Menschen „Mitte“ zu nennen, ist fast eine Beleidigung.

Olympia

Olympia – Für Hamburger weiterhin in Griechenland

Was bekamen diese Menschen geboten? Da wäre das „Wir sind Feuer und Flamme“. Das war die kleine Schwäche. Wer hatte die erste Stimme auf der Webseite (News) der Olympia-Initiative? Der Steuerzahlerbund. Was nennt danach der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg als wichtigsten Grund (von sieben) für die Spiele in der Stadt: Beschleunigte Stadtentwicklung.

Dez 042015
Männerbund

Männerbund

Bei der gegenwärtigen Krise muss man die Ursachen dessen, was als „Flüchtlingskrise“ gilt, von dem trennen, in welcher Weise versucht wird, damit umzugehen. Bei der Flüchtlingskrise sind „äußere“ Einflüsse maßgeblich, auch wenn so mancher insbesondere Merkels „Einladung“ als „Freibier für alle“ deuten will. Und sollte das richtig sein, machen sich logischerweise „alle“ auf den Weg, um sich am köstlichen Nass zu laben. Sollten zwischen Heimat und Kneipe auch Berge, Täler und Meere liegen, für ein gutes, frischgezapftes Pils nimmt man gerne einen weiten Weg in Kauf. Denn es gibt „kein Bier“ in Syrien. Diese Haltung eint auf merkwürdige Weise „rechts“ wie „links“.

Das betrifft auch die Art und Weise, wie Politik und Gesellschaft damit umgehen sollen. Deckel darauf und fertig, was nicht passt wird passen gemacht. Hauptsache, man wird in seiner Ruhe jeder in seiner Nische nicht gestört. Der Grundstrom dieser Entwicklung reicht jedoch ein gutes Stück in die Vergangenheit, als Flüchtlinge in Deutschland nur aus der „Ostzone“ kamen. Die bundesdeutsche Gesellschaft wurde nicht unerheblich durch die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus geprägt. Mal verharmlosend, mal alarmistisch, selten leise. Im Strom der Meinungen gab es unterhalb der richtig rechten Szene durchgängig einen konservativ-reaktionären Anteil, der in der Bundesrepublik immer weniger öffentlichen Raum besetzen konnte. Ein „Tiefpunkt“ war Richard von Weizsäckers Bekenntnis, dass der 8. Mai 1945 eine „Befreiung“ gewesen sei. Nur wenige Jahre später ergab sich jedoch für diese Kreise das unverhoffte Glück, nationale Größe „selbstbestimmt“ wiederzugewinnen.

Dez 042015

Ein zusammengewürfelter Haufen:

ALB ARA AUT BEL BLR BOS BUL CDN CES CYP DAN ELL ENG EST FAS FIN FRA GAI GER HEB HRV HUN ISL ITA LAV LIT LTZ MDA MKD MLT MNE NLD NOR POL POR ROM SLK SLV SPA SRB SWE TRNC TUR UKR URD

Es gilt x + n.

Les_Etats_Unis_d_Europe_United_Nations_of_Europe_2016

Die Vereinigten Staaten von Europa 2016

Nov 292015

IMAGINEPEACE_AYZITBOSTAN_2014Wenn am 20. November 2015 um 10 Uhr für zwei Minuten in ganz Deutschland die Sirenen heulen, werden alle Autos anhalten, die Insassen aussteigen und sich schweigend auf die Straße stellen. Die Fußgänger werden anhalten, und schweigend warten. Die Menschen werden aus den Geschäften kommen und sich schweigend dazustellen. Schüler und Studenten werden den Unterricht, Seminare, Vorlesungen unterbrechen und sich schweigend erheben. Züge werden stoppen. Flugzeuge werden weder landen noch starten. Maschinen werden stoppen. Das ganze Land wird anhalten. Nach dem Ende der Sirenen werden die Menschen weitere drei Minuten schweigen.

Diejenigen, die meinen, provozieren zu müssen, werden ignoriert. Diejenigen, die meinen, dass die das doch verdient haben, werden, nachdem es nach einer Minute immer noch nicht weitergeht, erkennen, dass sie doch in erster Linie vom Terror in der Welt betroffen sind. Und sie werden auf die Straße treten und schweigen. Beschämt, aber auch stolz auf das Land, in dem sie leben, mit Ungläubigen, die andere Menschen aus der Fremde einfach aufnehmen, um ihnen Schutz zu geben. Und die das Leben einfach anhalten, um nicht nur den Opfern zu gedenken, sondern vor allem, um daran zu erinnern, dass dies nicht nur ein Anschlag war, sondern ein Verbrechen gegen alle Menschen.

Und sie werden sich wieder schweigend auf die Straße stellen am 5. Mai 2016, am 24. April 2017, am 12. April 2018, am 2. Mai 2019, am 21. April 2020, am 7. April 2021. Im Gedenken an die Opfer; eben auch in dem Land, das den bislang größten Anschlag zu verantworten hat. Nicht zum Bekenntnis der Schuld, sondern zur Mahnung und zum Ausdruck der Verbundenheit mit allen Menschen. Fünf Minuten, um sich dem weltweiten Krieg und Terror entgegenzustellen, mit der schärfsten Waffe – Schweigen.


Erstmalig erschienen am 14.11.2015 09:19 Uhr im Leserforum
Der Tagesspiegel ® 14.11.2015 Hillary Clinton – Der IS muss besiegt werden in Zeiten des Terrors

Free Download Schriftzug „Imagine Peace“ ayzitbostan.com

Nov 292015

20151122_letter@TS

Brief mit Anhang als PDF

Nov 282015

I apologize, es tut mir leid, zu viel Blei, fünf elende Seiten Text. Nicht einmal eine Zusammenfassung, keinesfalls in 1:30 zu schaffen, selbst für Schnell-Leser nicht.

Dennoch hier eine Hilfe:

1. Es geht um die Kermani-Rede in der Paulskirche im Oktober.

2. Wenn Sie nur die 101. Antwort auf den „Schloemann-Angriff“ vom 20. Oktober 2015 lesen wollen, gehen Sie gleich zu 2.1.

3. Wenn Sie nur an den Verfälschungen der Tagesschau interessiert sind, gehen Sie
direkt zu Abschnitt 2.2.

4. Und wenn Sie daran interessiert sind, wie die Stützen der Gesellschaft abgewatscht werden, gehen Sie zu 2.3.

Sie können einfach hier weiterlesen, Sie verpassen nichts, denn das Beschriebene ist längst passiert, es besteht daher kein dringender Handlungsbedarf.

„Eigentlich“ sollte dieser Text sich ziemlich geradeaus auf sein Thema, den Abschnitt 2.3. zubewegen, dem Abwatschen mancher, die an unserer Stelle statt, in der ersten Reihe stehen. Auf denen herumgehackt wird, die meistens als „korrupt“ oder „unfähig“ bezeichnet werden, in der Regel beides mit einem „und“ verbunden. Leider kamen mir, und dazu noch doppelt, Hindernisse in den Weg, die ich nicht einfach ignorieren oder umgehen kann. Aus dem Weg räumen kann ich sie nicht, aber wenigstens Hinweisschilder aufstellen, damit die nächsten, die vorbeikommen, nicht gefährdet werden. Da die Hindernisse nun angesprochen werden, die Verantwortlichen benannt sind, könnte die Chance bestehen, dass über kurz oder lang, sich „jemand“ der Sache annimmt.

Als ich mir die Hindernisse näher und von verschiedenen Seiten betrachtete, stellte ich auf einmal fest, dass diese Hindernisse exakt aus dem gleichen Stoff wie mein Thema in 2.3. gewebt sind. Der Anlass, sich damit zu beschäftigen, liegt schon ein paar Wochen zurück.

Nov 282015

Fortsetzung von Die erste Reihe oder das Aufleuchten eines Aspekts

Was Johan Schloemann hier als Gebet kritisiert, ist in erster Linie eine Fürbitte. Ob gläubig oder nicht, ist diese die Anrufung einer „höheren Macht“, (hier) die Notleidenden bitte nicht zu vergessen, damit sie nicht alle Hoffnung fahren lassen, bis irdische Hilfe naht. Da fährt Schloemann schon schweres Geschütz auf. Ein Mann des Geistes, wie ich annehme, der vor allem an diese Kraft glauben sollte und weniger an die Macht der Gewehre. Ob Fürbitte oder Gebet, es ist gleichgültig, kommt es doch vor allem auf das Gemeinte an.

Schloemann hätte diesem „unerträglichen Übergriff“ ganz leicht entkommen können. Es hat jedem frei gestanden, in diesem Augenblick an Omas Beerdigung, die vergangene göttliche Nacht in den Kissen des nahen Frankfurter Hotels zu denken, oder sich darauf einzulassen, dem Wunsch zu folgen, an die Drangsalierten Syriens zu denken, unter Verzicht auf den nur Kermani persönlich (!) geltenden Beifall.

In dem Augenblick, in dem Kermani seine Freiheit(en) in Anspruch nehmen will, wird ihm bedeutet, er habe dafür gefälligst in den Keller (Kerker) zu gehen. Man könne es nicht ertragen, diesen Ort entweiht zu sehen. Als ob er sich wie eine Femen-Aktivistin verhielte, die im Kölner Dom mit nackter Brust auf dem Altar tanzte (was kein Frevel, sondern unangemessenes Verhalten ist). Wo ist der Unterschied zur Verurteilung von Pussy Riot in Putins Reich? Es gibt zwar Rechte, aber man darf sie nicht in Anspruch nehmen. Es bestimmt darüber heute hier der eine, morgen dort jemand anderes. Wir dürfen uns glücklich schätzen, überhaupt noch am Leben zu sein.

Die Frage stellt sich vielmehr, ob die inkriminierte Handlung eine Bedrohung oder eine Bestärkung der Rechte darstellt. Erst dann lässt sich entscheiden, ob sie angemessen oder unangemessen ist, ob sie in Anspruch nehmen kann, wofür sie behauptet, sich auszugeben. Das kann Kermanis Handlung sehr wohl, weil sie jedem freistellt, ob man ihr folgt, hingegen nimmt Schloemann für sich in Anspruch zu entscheiden, jemanden in den Keller zu stecken, weil er nicht artig war. Weil er den Ort „entweiht“ habe. Das ist im einfachsten Fall spießig, im schwerwiegendsten Fall genau die Kermani übergeholfene „Beschwörung der politischen Theologie“, die er braucht, um den Ort zu einem heiligen zu machen. Aus

Nov 282015

Fortsetzung von 2.1. Die Entweihung der Kritik

Die Tagesschau hat in ihrer 20-Uhr-Ausgabe vom 18. Oktober 2015 den Bericht zur Kermani-Rede verfälscht. Es gibt eine andere Aufzeichnung, die belegt, dass sich die Situation nicht so zugetragen haben kann, wie es die Tagesschau vermittelt. Auf einem Smartphone (!) wird man davon jedoch nichts feststellen können, man braucht einen größeren Bildschirm.

Die angesprochene Frau, die der Berichtsausschnitt zeigt, dürfte in der ersten Reihe vermutlich sogar eine der wenigen sein, die Kermani dort Achtung entgegengebrachte. In dem weiteren Beitrag sind die Gesichter ihrer Nachbarn sehr groß im Bild. Dort sehe ich Ratlosigkeit, vor allem Wut und Zorn, wenn nicht gar Verachtung. Unter deren Gesinnungsfreunden dürften diejenigen zu finden sein, die für den entsprechenden Beitrag in der Tagesschau sorgten. Eine Sendung, die man angeblich zum Ausweis der Nachrichten“kompetenz“ der ARD ins Feld führt. Zudem wird der besagte weibliche Gast zur Falschdarstellung missbraucht. Die Verfälschung, die durch perfiden Filmschnitt entstanden ist, kann ich nicht „beweisen“, sondern nur ihre Wahrscheinlichkeit behaupten, da ich die Rohfassung nicht kenne. Auch hier wird es „jemand“ geben, der dies problemlos nachreichen kann.

Nov 282015

Fortsetzung von 2.2. Die Entweihung der Nachrichten

Man sollte den Blick genauer auf diejenigen richten, die für uns in der ersten Reihe stehen. Dort stehen sie nicht „für sich“, sondern als Repräsentanten einer Organisation, eines Unternehmens oder einer öffentlichen oder sonstigen Institution. Nach meiner Einschätzung, und möglicherweise gibt es den ein oder anderen, der dies teilt, sollte der Repräsentant Haltung und Ansichten der repräsentierten Institution zum Ausdruck bringen. Weswegen es hilfreich ist, wenn eine recht große Übereinstimmung zwischen den persönlichen und den „professionellen“ Ansichten existiert.

Tatsächlich scheint es so zu sein, dass Personen in Ämter streben, um ihre persönlichen Haltungen oder Ansichten zu denen der Institution zu machen, bzw. der Ansicht zu sein, dass das legitim sei. Diese Personen missbrauchen das Amt, das ihnen in der Erwartung übertragen wurde, sie setzten sich für deren Ziele ein. Wenn sie in der ersten Reihe einer solchen Veranstaltung stehen, dann steht dort die Institution, nicht das Individuum. Um Irritationen zu vermeiden, ist es zu empfehlen, sich mit den Laureaten zu beschäftigen. Falls jemandem persönlich etwas zu sehr missfällt, sollte er andere bitten, den Termin wahrzunehmen. Denn die Gäste sind keine Staffage, sondern Ausdruck der Ehrerbietung für die Geehrten (nicht umgekehrt). Falls nun ein vermeintlich niedriger Rang diese Aufgabe mit Begeisterung übernimmt, stellt diese Begeisterung die Ehrerbietung der Institution dar. Und kein Geringschätzen aufgrund des falschen Rangs.